Korken oder was? – Verschlusssache!


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In Neuseeland hatte man weltweit zuerst den Mut, große Weine mit Schraubverschluss auszustatten. Die Schweizer und Österreicher zogen nach – die traditionsbewussten Deutschen zögern noch, warum eigentlich?

Zugegeben: Kork ist ein schönes, nachwachsendes Naturprodukt, das als Weinverschluss schon im antiken Griechenland zum Einsatz kam. Das sinnliche Erleben eines satten ‚Plopp’ beim Öffnen einer Flasche bleibt natürlich beim Drehverschluss aus. Aber: Ein moderner Drehverschluss ist hygienischer und kostengünstiger als hochwertiger Kork, und vor allem ist er sicherer, wenn es darum geht, fehlerhaften Weingeschmack eindeutig zuzuordnen (Weintrinker, die der Meinung sind, ein „korkender“ Wein sei einer, in dem ein Stückchen Kork schwimmt, gehören mit ihm ebenso der Vergangenheit an wie die bei Kellnern gefürchteten Wichtigtuer-Meckerer unter den Gästen).

Naturkork – zwingend für lange lagernden Wein?

In jedem Fall sollte der Flaschenverschluss auf die vom Erzeuger angestrebte Lebensdauer eines Weines, seine Qualität und sein Stil abgestimmt werden. Hier kommt Naturwissenschaft ins Spiel: guter Wein braucht den Einfluss von Sauerstoff, darum muss das Verschlussmaterial gasdurchlässig sein.
Die letzte Entscheidung für den Weinverschluß ist abhängig von vielen Faktoren: von der Technologie im Ausbau des individuellen Weinstils, von der auf seine Herstellung verwendeten Sorgfalt, vom winzerischen Können und Fachwissen und nicht zuletzt auch von den Wünschen und Vorlieben der Verbraucher. Selbst für hochwertige Weine, die weiter reifen sollen und bei denen es daher auch auf gut reguierbaren Sauerstoffaustausch ankommt, ist der Naturkork heute kein Dogma mehr.

Was sagt der Fachmann zu Alternativen wie Glasverschluss und Kronkorken?

Das Wichtigste gleich vorweg: Lambrusco, Frizzante, Prosecco & Co. sind unter dem in der Weinszene noch etwas kritisch beäugten Kronkorken sehr gut aufgehoben. Hinter den Kulissen der Sekt- und Champagnerherstellung tut dieser nämlich weltweit schon lange zuverlässig seinen Dienst. Er schützt die Schaumweine während der zweiten Gärungsphase geschmacksneutral vor Oxidation, ohne dass Kohlensäure entweichen kann. Der eigentliche Sektverschluss kommt erst nach dem Entfernen des Hefepfropfens (dem sogenannten „Degorgieren“) zum Einsatz.

Stelvin CapsAuch beim Wein funktionieren die Alternativen, z. B. der lange Schraubverschluss ‚Stelvin Cap’. Immer mehr deutsche Spitzenwinzer entscheiden sich für ihn, denn die Stärke ihrer Weine ist oft Frische und Frucht, die lange vorhalten sollen. Selbst wenig geschwefelte Weine, die anfälliger für Oxidation, also für Alterung sind, profitieren vom ‚Stelvin Cap‘.

vino lokGlasstopfen wie der edel anmutende ‚Vino-Lok’ werden eher bei hochwertigen Weinen eingesetzt. Grund dafür ist aber keine technische oder qualitative Überlegenheit, sondern die Tatsache, dass der Glasstopfen recht kostenintensiv im Einsatz ist.

Und was sagt der Fachmann zu Prosecco mit Drehverschluss?

Das am häufigsten verwendete und zuverlässigste Verschlusssystem bei der Abfüllung von kohlensäurehaltigen Getränken ist der Schraubverschluss. Aber auch ein Kronkorken, bunt bedruckt von jeher in der Bierbranche im Einsatz, macht bei Prosecci und Seccos aller Art durch eine gute Figur. Schaumweinfreunde sollten sich allmählich daran gewöhnen, auch ein Zischen beim Öffnen des geliebten Getränks als sinnliches Erlebnis zu empfinden.